simedis AG - medical simulation

Flugsimulator für Ärzte

OPERATIONSSIMULATOREN: Flugsimulator für Ärzte
Die ärztliche Ausbildung verkürzen und die Patientensicherheit erhöhen: Dies ist das Ziel der Simedis AG. Das St. Galler Start-up ist für den Jungunternehmerpreis Startfeld Diamant nominiert.

Mit Medizin hat Matijas Cosic nie etwas am Hut gehabt. Zwar sind einige seiner Familienmitglieder in medizinischen Berufen tätig, er selbst hatte aber immer ein mulmiges Gefühl, wenn es um Spitäler oder Arztbesuche ging. Dass er heute Geschäftsführer eines Jungunternehmens ist, das Operationssimulatoren für Ärzte und Spitäler entwickelt, ist deshalb eher dem Zufall zu verdanken. Es war sein langjähriger Hausarzt Robert Vuckovic, der vor ein paar Jahren mit der Geschäftsidee auf ihn zukam. Vuckovic und sein Kollege Albert Schäffer, der als einer der Vorreiter in der Entwicklung von Virtual-Reality-Simulatoren für medizinische Zwecke gilt, waren für die Firmengründung auf der ­Suche nach einem Betriebswirtschafter.

Simedis-Mitgründer Matijas Cosic mit dem Prototyp eines Operationssimulators. (Bild: Ralph Ribi)

Das Interesse von Cosic, der zu dieser Zeit seinen MBA an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur absolvierte, war damit ­geweckt. Arbeitete er zu Beginn noch parallel zum Studium bei der Simedis, ist er seit der offiziellen Firmengründung im Juni 2014 vollständig beim St. Galler Start-up engagiert.

Die Operationssimulatoren sollen dereinst bei unterschiedlichsten Eingriffen in allen minimal invasiven und interventio­nell tätigen Fachbereichen zum ­Einsatz kommen. Interventionell bedeutet, gezielt in das Körpergewebe eingreifend. Von der Darmspiegelung über die Implantation eines Stents bis hin zur Blinddarmentfernung kann alles realitätsgetreu simuliert werden.

Risiken und Kosten senken
Im Moment dreht sich die Arbeit von Cosic und seinem Team ­allerdings noch um die Projektentwicklung. In Absprache mit internationalen Medizintechnikunternehmen prüfen sie, welche Eingriffe für die Simulation in­teressant und realisierbar sein könnten. Stellt sich eine Operation oder eine Intervention als geeignet heraus, liefert das Medtech-Unternehmen die Instrumentarien an Simedis aus, wo sie anschliessend in die Simulatoren verbaut werden.

Aktuell beschäftigt die Firma drei Mitarbeiter. «Wir haben aber zwölf Softwareentwickler, die Lösungen für unsere Geräte als Freelancer bereitstellen. Diese sind auf allen fünf Kontinenten tätig und arbeiten unter anderem in Argentinien, Neuseeland oder Belgien», sagt Cosic. Die internationale Ausrichtung kommt denn auch bei den potenziellen Kunden zum Vorschein: Sobald die Entwicklungsphase abgeschlossen ist, sollen die Geräte an Ärzte, Spitäler und Universitäten auf der ganzen Welt verkauft werden.

Mit dem Vertrieb starten will Simedis gegen Ende dieses Jahres. Erste Anfragen liegen bereits vor. Cosic verspricht sich durch die Hightech-Simulatoren insbesondere für die Operationsplanung entscheidende Vorteile. Dank einer eigens entwickelten Software dürfte es in ungefähr fünf Jahren möglich sein, mit Hilfe von Magnetresonanztomografie-Daten vollautomatisch die Organe jedes Patienten originalgetreu darzustellen. Somit können die Ärzte den Eingriff vor der Operation eins zu eins simulieren und genau abschätzen, welche Instrumente, welche Katheter oder welche Stents zum Einsatz kommen sollen. «Diese Möglichkeit minimiert nicht nur Risiken, sondern spart auch Kosten», sagt Firmenmitgründer Cosic – auch mit Blick auf das teure Gesundheitswesen.

Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital
Obwohl dem Jungunternehmer oft geraten wurde, sein Start-up in der Region Zürich aufzubauen, will er am Standort St. Gallen festhalten. Neben der familiären Verwurzelung ist dafür die unmittelbare Nähe zum Kantonsspital St. Gallen ausschlaggebend. «Die Unterstützung des Spitals war von Anfang an spürbar. Dies hat unser Vorhaben massgeblich unterstützt, und wir wollen weiter mit ihm zusammenarbeiten», sagt Cosic.

Nebst der Fertigstellung der voll automatisierten Software, die jeden Patienten innert kürzester Zeit simulieren kann, ist auch die Zertifizierung der Operationssimulatoren durch die Schweizer Fachorgane ein langfristiges Ziel des Jungunternehmens. Ähnlich wie Piloten, die einen Teil ihrer Ausbildung in Flugsimulatoren absolvieren, könnten sich angehende Ärzte Operationen an den Simedis-Geräten als Ausbildungsstunden anrechnen lassen. «Das könnte», sagt Cosic, «die chirurgische Ausbildung verkürzen und effizienter gestalten und zur Erhöhung der Patientensicherheit beitragen».

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